(Neu: Weidmann, Rösler) MADRID/BRÜSSEL (dpa-AFX) – Spanien gibt dem internationalen Druck nach und flüchtet als viertes Land der Eurozone unter den europäischen Rettungsschirm. Zur Lösung seiner Bankenkrise kann Madrid auf Notkredite von bis zu 100 Milliarden Euro bauen. Das vereinbarten die Finanzminister der Eurozone am Samstag in einer dreistündigen Telefonkonferenz. Der Beschluss fiel eine Woche vor der ungewissen Wahl in Griechenland – und soll den Märkten signalisieren, dass Europa die ausufernde Finanzkrise in den Griff bekommt. Die Bundesregierung begrüßte den Schritt. Die Spanien-Hilfe ist eine doppelte Premiere: Erstmals funkt ein Schwergewicht der Eurozone SOS. Und anders als in Griechenland, Portugal und Irland wird es erstmals spezielle Hilfen zur Stabilisierung des wankenden Bankensystems geben. Damit entgeht die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone den in Madrid befürchteten strengen Auflagen und Kontrollen seines Staatsbudgets. Aber Spanien muss seinen Bankensektor reformieren und für marode Geldhäuser Sanierungspläne vorlegen. Das könnte im Extremfall auch die Schließung einzelner Institute bedeuten. Die Auflagen werden sich an den EU-Beihilferegeln orientieren.DAMM GEGEN KAPITALBEDÜRFNISSE – WELTWEITE ERLEICHTERUNG ‘Die Kredite werden umfangreich genug sein, um einen Damm zu bilden, der alle möglichen Kapitalbedürfnisse auffangen kann’, heißt es in einer Erklärung der Minister. ‘Die Kreditsumme muss alle geschätzten Kapitalbedürfnisse plus eine zusätzliche Sicherheitsmarge umfassen, was sich schätzungsweise auf insgesamt bis zu 100 Milliarden Euro summiert.’ Die Notkredite werden an den spanischen Bankenrettungsfonds Frob fließen, der es an notleidende Banken weitergebe. Verantwortlich für die Rückzahlung werde die spanische Regierung sein. Die Hilfsaktion für Spanien löst weltweit Erleichterung aus: US-Finanzminister Timothy Geithner sprach von einem konkreten Schritt auf dem Weg zu einer Fiskalunion, die für die Belastbarkeit der Eurozone lebenswichtig sei. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, erklärte, die Höhe der Notkredite von bis zu 100 Milliarden Euro passten zu dem vom IWF festgestellten Kapitalbedarf. Der IWF hatte bei bisherigen europäischen Rettungsaktionen stets rund ein Drittel der Finanzlasten getragen, bleibt bei der Spanien-Hilfe aber außen vor.POSITIVES ECHO Positives Echo auch aus der Bundesregierung: Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach von einem richtigen und notwendigen Schritt. ‘Ich gehe davon aus, dass das wesentlich dazu beitragen wird, Transparenz zu schaffen und das Vertrauen an den Finanzmärkten zu stabilisieren.’ Bundesbankpräsident Jens Weidmann äußerte sich zuversichtlich, dass die Finanzmittel den gewünschten Erfolg erzielen. ‘Ich habe Vertrauen in die spanische Regierung, die ja bereits am Arbeitsmarkt umfassende Strukturreformmaßnahmen vorgenommen haben’, sagte Weidmann im ARD-’Bericht aus Berlin’. ‘Aber auf diesem Weg müssen sie weitergehen.’ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betonte, dank bisheriger Reformen seien die größten spanischen Banken gut durch die Krise gekommen und stünden stabil da. ‘Ein Teil des Finanzsektors muss jedoch noch die Nachwirkungen des Platzens der spanischen Immobilienblase verarbeiten’, ließ Schäuble mitteilen. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach am Sonntag von einem Erfolg für Europa und trat dem Eindruck entgegen, das Land habe auf internationalen Druck gehandelt: ‘Mich hat niemand dazu gedrängt, die EU um Hilfen zu bitten. Im Gegenteil, ich war derjenige der gedrängt hat.’OFFIZIELLER ANTRAG ERST IN DEN NÄCHSTEN WOCHEN Ein offizieller Antrag wird von Madrid erst in den nächsten Wochen vorgelegt, wenn der genaue Kapitalbedarf beziffert werden kann. Die Regierung wartet dazu laut Wirtschaftsminister Luis de Guindos noch auf zwei Gutachten der Beratungsgesellschaften Oliver Wyman (USA) und Roland Berger (Deutschland). Diese sollen noch im Juni kommen, sagte de Guindos. Rajoy sagte zur Summe von 100 Milliarden Euro: ‘Die Erfordernisse des spanischen Bankensektors sind nicht so groß. Aber die spanische Regierung entschied, um ein zusätzliches Polster zu bitten. Damit sollte für die Märkte ein klares Zeichen gesetzt werden.’ Der IWF hält einen akuten Krisenpuffer von mindestens 40 Milliarden Euro für nötig. Der tatsächliche Kapitalbedarf sei aber wegen möglicher Kosten für Restrukturierungen und Kreditausfälle sogar bis zu doppelt so hoch, sagte eine IWF-Mitarbeiterin in einer Telefonkonferenz.VERTRAUEN ZURÜCKGEWINNEN EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Währungskommissar Olli Rehn sicherten Madrid die Unterstützung der EU-Kommission zu. ‘Wir sind sicher, dass Spanien schrittweise das Vertrauen der Investoren und Marktteilnehmer zurückgewinnen kann.’ Der Rettungsfonds EFSF kann Staaten auch Notkredite gewähren, um taumelnden großen Banken zu helfen. Bei solch einer ‘weichen Rettung’ würde das Geld ausschließlich für den Finanzsektor eingesetzt. Entsprechend sind die Auflagen niedriger als bei Hilfsgeldern für den Staatshaushalt als Ganzes. Nach Vorlage eines Antrags muss zunächst die EU-Kommission mit der Europäischen Zentralbank und der EU-Finanzaufsicht prüfen, ob die Voraussetzungen für EFSF-Kredite an Spanien zur Bankenrekapitalisierung vorliegen. Erst danach kann die Eurogruppe die Hilfe billigen.VIERTES LAND UNTER RETTUNGSSCHIRM Aus dem EFSF erhalten bereits die drei Länder Portugal, Irland und Griechenland Nothilfen für den Haushalt als Ganzes. Sie müssen dafür weitreichende Reform- und Sparauflagen – nicht nur in der Bankenbranche – einhalten. In Irland ging es seinerzeit zwar auch um massive Probleme im heimischen Bankensektor. Seinerzeit gab es aber noch nicht die Möglichkeit, spezielle Bankenhilfe im Rahmen des europäischen Rettungsfonds zu bewilligen. Spanien kämpft gegen eine massive Bankenkrise und steckt in der Rezession. Allein die Krisenbank Bankia will vom Staat für seine Sanierung insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro. Vor allem eine Vielzahl ‘fauler’ Immobilienkredite hat die Bankenbranche in die Krise gestürzt. Der Staat, der selbst unter einer hohen Schuldenlast ächzt, hat das Geld zur Bankenrettung nicht in der Kasse. Er kann es sich auch nicht ohne weiteres auf den Kapitalmärkten besorgen, weil Spanien – wie Finanzminister Christóbol Montoro zuletzt selbst einräumte – dort keine Kredite zu erschwinglichen Bedingungen mehr erhält./mcm/mt/kf/DP/kja
Archive for June 10th, 2012
ROUNDUP Madrid flüchtet unter Rettungsschirm – Bankenkrise wird entschärft (10. Juni 2012, 19:42 Uhr)
Schäuble rechnet nicht mit schneller Einführung der Finanzsteuer (10. Juni 2012, 19:16 Uhr)
BERLIN (dpa-AFX) – Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält die Einführung der von der Opposition geforderten Finanztransaktionssteuer bis zur nächsten Bundestagswahl im Herbst 2013 für unwahrscheinlich. ‘Eine europäische Steuer wird nicht so schnell zustande kommen’, sagte Schäuble am Sonntag im ARD-’Bericht aus Berlin’. SPD und Grüne machen ihre notwendige Zustimmung zum europäischen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin von der Einführung einer solchen Steuer abhängig. Belastet von neuem Streit gehen Regierung und Opposition in die Schlussphase der Fiskalpakt-Verhandlungen. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie viel die jüngste Einigung auf Eckpunkte einer Finanztransaktionssteuer noch wert ist. Der ‘Spiegel’ zitiert Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) mit den Worten, man könne der SPD ruhig entgegenkommen, da es die Steuer ohnehin nicht mehr in der laufenden Legislaturperiode geben werde. Das habe Pofalla in kleiner Runde erklärt, berichtete das Nachrichtenmagazin. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel reagierte verärgert auf den Zeitplan. ‘Herr Schäuble hat leider dafür gesorgt, dass es zeitlich sehr eng wird’, sagte Gabriel im ‘Bericht aus Berlin’. Die Steuer müsse nun endlich auf den Weg gebracht werden. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte ‘Spiegel Online’ zur Äußerung Pofallas, er könne die Regierungskoalition nur warnen: ‘Taktische Spielchen werden nicht funktionieren.’ Bei der Finanztransaktionssteuer gebe es kein Zurück. Damit hält die Opposition den Druck auf die Bundesregierung kurz vor den entscheidenden Verhandlungen zum Fiskalpakt hoch. An diesem Mittwoch treffen sich die Spitzen von Koalition und Opposition zur Schlussrunde ihrer Verhandlungen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Für eine Billigung des Fiskalpakts für mehr Haushaltsdisziplin in Europa ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig. Die schwarz-gelbe Koalition ist deshalb auf die Unterstützung von SPD und Grünen angewiesen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann bewertet die Pläne für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer zurückhaltend. Eine Einführung auf breiter Ebene in Europa sei ‘sicherlich sinnvoll’. Das Gerechtigkeitsziel im Interesse der Steuerzahler sei letztlich aber auch deshalb fraglich, weil diese Steuer auch übertragen werde auf die Bankkunden, sagte Weidmann. ‘Der Effekt auf die Schwankungen und die Unsicherheiten in den Finanzmärkten ist äußerst umstritten.’ SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verlangt von Schwarz-Gelb weitere Zugeständnisse über die Börsensteuer hinaus. Beim Thema Wachstum und Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit habe die Koalition außer Überschriften noch nicht viel geliefert, sagte er der ‘Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung’ (FAS). Man werde sich nur dann einigen, wenn nicht Ergebnisse der Verhandlungen ‘eine Stunde später durch öffentliche Erklärungen der FDP wieder relativiert werden’, sagte Steinmeier. Deshalb verlange die SPD auch einen Beschluss der gesamten Regierung zur Finanzmärkte-Besteuerung. Am Donnerstag hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel das vermeintliche Entgegenkommen von Schwarz-Gelb beim heftig umstrittenen Thema Börsensteuer bereits als ’180-Grad-Wende’ gefeiert. Laut ‘Spiegel’ hält man in der FDP ein Inkrafttreten der Steuer jedoch für unwahrscheinlich. Die vom FDP-Finanzexperten Volker Wissing parteiübergreifend ausgehandelten Bedingungen seien so formuliert, dass es die Steuer nicht geben werde, zitiert das Magazin aus der FDP-Fraktion. Die Union rechnet weiter damit, dass sich Koalition und Opposition diese Woche einigen. ‘Ich bin zuversichtlich, dass SPD und Grüne für den Fiskalpakt stimmen. Und zwar vor der Sommerpause’, sagte Kauder. Er nannte die Einigung auf Eckpunkte zur Finanztransaktionssteuer einen ‘klassischen Kompromiss’: ‘Damit müsste der Opposition die Zustimmung zum Fiskalpakt möglich sein.’ An diesem Donnerstag will Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder über den Fiskalpakt beraten. Auch die SPD-geführten Bundesländer stellen weiterhin harte Bedingungen für ein Ja im Bundesrat. Nach einem Positionspapier, das der ‘Märkischen Allgemeinen Zeitung’ vorliegt, verlangen sie, dass der Bund mögliche Strafzahlungen an die EU vollständig übernimmt. Intern heißt es dem Blatt zufolge, dass sich diese Forderung vor allem auf den Zeitraum bis 2020 bezieht, denn bis dahin gehe der Fiskalpakt über die Vorschriften der deutschen Schuldenbremse hinaus. Zusammen mit Bayern, das einen entsprechenden Antrag bereits in den Bundesrat eingebracht hat, verlangen die SPD-geführten Länder auch, dass der Bund die bisher von den Kommunen aufgebrachten Leistungen für die Eingliederungshilfe von behinderten Menschen schrittweise übernimmt. 2010 erhielten rund 630 000 Personen diese Leistungen in einer Gesamthöhe von immerhin 12,4 Milliarden Euro./mda/wn/sv/DP/kja
ROUNDUP: Opposition hält im Fiskalpakt-Streit Druck hoch – Ärger über Pofalla (10. Juni 2012, 18:10 Uhr)
BERLIN (dpa-AFX) – Belastet von neuem Streit gehen Regierung und Opposition in die Schlussphase der Fiskalpakt-Verhandlungen. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie viel die jüngste Einigung auf Eckpunkte einer Finanztransaktionssteuer wert ist. Vor der nächsten Bundestagswahl werde es diese Steuer nicht geben, zitiert der ‘Spiegel’ Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU). Daher könne man der SPD ruhig entgegenkommen, habe dieser in kleiner Runde erklärt. Darauf reagierte die Opposition mit Verärgerung. ‘Ronald Pofalla hat den Ernst der Lage in Europa nicht verstanden, wenn er jetzt mit parteipolitischen Winkelzügen beginnt. Wir brauchen ein unumkehrbares Bekenntnis zur Einführung der Finanztransaktionssteuer’, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte dem ‘Spiegel’, er könne die Regierungskoalition nur warnen: ‘Taktische Spielchen werden nicht funktionieren.’ Bei der Finanztransaktionssteuer gebe es kein Zurück. Damit hält die Opposition den Druck auf die Bundesregierung kurz vor den entscheidenden Verhandlungen zum europäischen Fiskalpakt hoch. An diesem Mittwoch treffen sich die Spitzen von Koalition und Opposition zur Schlussrunde ihrer Verhandlungen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Für eine Billigung des Fiskalpakts für mehr Haushaltsdisziplin in Europa ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig. Die schwarz-gelbe Koalition ist deshalb auf die Unterstützung von SPD und Grünen angewiesen. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verlangt von Schwarz-Gelb weitere Zugeständnisse über die Börsensteuer hinaus. Beim Thema Wachstum und Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit habe die Koalition außer Überschriften noch nicht viel geliefert, sagte er der ‘Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung’ (FAS). Man werde sich nur dann einigen, wenn nicht Ergebnisse der Verhandlungen ‘eine Stunde später durch öffentliche Erklärungen der FDP wieder relativiert werden’, sagte Steinmeier. Deshalb verlange die SPD auch einen Beschluss der gesamten Regierung zur Finanzmärkte-Besteuerung. Am Donnerstag hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel das vermeintliche Entgegenkommen von Schwarz-Gelb beim heftig umstrittenen Thema Börsensteuer bereits als ’180-Grad-Wende’ gefeiert. Laut ‘Spiegel’ hält man in der FDP ein Inkrafttreten der Steuer jedoch für unwahrscheinlich. Die vom FDP-Finanzexperten Volker Wissing parteiübergreifend ausgehandelten Bedingungen seien so formuliert, dass es die Steuer nicht geben werde, zitiert das Magazin aus der FDP-Fraktion. SPD und Grüne verlangen, dass die Bundesregierung auch die Idee eines Schuldentilgungsfonds für Euro-Staaten aufgreift, was diese aber ablehnt. ‘Das wäre genau die Vergemeinschaftung der Schulden, die wir nicht wollen’, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) der ‘FAS’. Auch die Zustimmung zu Konjunkturpaketen schloss er aus. Dauerhaftes Wachstum sei nur durch Strukturreformen zu erzielen. Die Union rechnet weiter damit, dass sich Koalition und Opposition diese Woche einigen. ‘Ich bin zuversichtlich, dass SPD und Grüne für den Fiskalpakt stimmen. Und zwar vor der Sommerpause’, sagte Kauder. Er nannte die Einigung auf Eckpunkte zur Finanztransaktionssteuer einen ‘klassischen Kompromiss’: ‘Damit müsste der Opposition die Zustimmung zum Fiskalpakt möglich sein.’ Unmittelbar nach dem Treffen mit Merkel am Mittwoch brechen die drei SPD-Spitzenpolitiker Gabriel, Steinmeier und Peer Steinbrück nach Frankreich auf. Der französische Präsident François Hollande will sie im Élysée-Palast empfangen, um die Strategie in der Europa-Politik abzustimmen. Eine entsprechende Information der ‘Bild am Sonntag’ wurde der Nachrichtenagentur dpa bestätigt. An diesem Donnerstag will Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder über den Fiskalpakt beraten. Auch die SPD-geführten Bundesländer stellen weiterhin harte Bedingungen für ein Ja im Bundesrat. Nach einem Positionspapier, das der ‘Märkischen Allgemeinen Zeitung’ vorliegt, verlangen sie, dass der Bund mögliche Strafzahlungen an die EU vollständig übernimmt. Intern heißt es dem Blatt zufolge, dass sich diese Forderung vor allem auf den Zeitraum bis 2020 bezieht, denn bis dahin gehe der Fiskalpakt über die Vorschriften der deutschen Schuldenbremse hinaus. Zusammen mit Bayern, das einen entsprechenden Antrag bereits in den Bundesrat eingebracht hat, verlangen die SPD-geführten Länder auch, dass der Bund die bisher von den Kommunen aufgebrachten Leistungen für die Eingliederungshilfe von behinderten Menschen schrittweise übernimmt. 2010 erhielten rund 630 000 Personen diese Leistungen in einer Gesamthöhe von immerhin 12,4 Milliarden Euro./mda/wn/DP/kja
ots.CorporateNews: Neues Deutschland / Neues Deutschland: zu Rettung für Spaniens Banken (10. Juni 2012, 18:17 Uhr)
Neues Deutschland: zu Rettung für Spaniens Banken Berlin (ots) – Dass Spanien und Italien am gestrigen Abend das erste Highlight der Fußball-EM liefern würden, war natürlich reiner Auslosungszufall. Aber dies hatte große Symbolkraft: In diesen beidenLändern wird sich nämlich, wie das Wochenende ebenfalls zeigte, die vielleicht unwichtigste Hauptsache der Welt – das Schicksal der EU-Währungsunion – entscheiden. Das weiß man natürlich auch in den Hauptstädten der anderen europäischen Länder. Doch wie nach den Hilfsanträgen Griechenlands, Irlands, Portugals und wieder Griechenlands heißt es gerade aus Berlin wieder, damit sind alle schlechten Nachrichten verarbeitet und die Eurozone kann weitermachenwie bisher. Erfolgreiches Durchmogeln mag es, wie das DFB-Spiel gegenPortugal zeigte, beim Fußball geben, nicht aber in der Finanzpolitik.Der Kapitalbedarf der spanischen Banken lässt sich vielleicht mit dengrob veranschlagten 100 Milliarden Euro decken. Allerdings ist wegen der Immobilienkrise und der tiefen Rezession auch die Kassenlage der spanischen Regionen so miserabel, dass hier viel Geld benötigt wird, das der Zentralstaat nicht schultern kann. Und dann ist noch Italien:Wenn die Spekulanten sich nach dem Erfolg in Spanien auch dieses Landvorknöpfen, reißen alle Rettungsschirme. Noch ist Zeit, neue Wege beim Krisenmanagement und der Ausgestaltung der Währungsunion insgesamt einzuschlagen. Wann Italien an der Reihe sein wird, ist nämlich noch unklar. Für dieses Euro-Endspiel gibt es an den Finanzmärkten bislang noch keine Terminansetzung.Originaltext: Neues DeutschlandDigitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/59019Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_59019.rss2Pressekontakt:Neues DeutschlandRedaktionTelefon: 030/2978-1715
IPO/ROUNDUP: Evonik-Eigner vertagt Entscheidung über Börsengang erneut (10. Juni 2012, 18:59 Uhr)
ESSEN (dpa-AFX) – Der Haupteigner des Essener Chemiekonzerns Evonik vertagt wegen der nervösen Märkte die Entscheidung über den geplanten Börsengang. Die Entwicklung auf den Finanzmärkten seit Ende Mai bewirke eine zunehmende Unsicherheit, ob Erlöse erreichbar sind, die dem Wert der Evonik gerecht werden, teilte das Kuratorium der RAG-Stiftung, die 74,99 Prozent an Evonik hält, am Sonntag nach einer Telefonkonferenz mit. Die übrigen Anteile liegen bei dem Finanzinvestor CVC Capital Partners. Der Börsengang war in der Vergangenheit bereits zwei Mal wegen der Finanzkrise verschoben worden. Eine angemessene Bewertung der Evonik und Transaktionssicherheit müssten gesichert sein; anderenfalls werde der Börsengang abgebrochen, hieß es in der Mitteilung. Das Kuratorium habe beschlossen, in dieser Woche weitere Gespräche mit Investoren zu führen. Noch im Juni solle eine fundierte Entscheidung über den möglichen Schritt an den Kapitalmarkt fallen. Es wäre bei dem kolportierten Umfang von einem Drittel der Anteile und rund fünf Milliarden Euro angepeiltem Erlös der größte deutsche Börsengang seit über zehn Jahren. Aus Finanzkreisen waren in den vergangenen Wochen angesichts der angespannten Märkte aber auch Zweifel an einer entsprechend hohen Bewertung geäußert worden.STAAT MÜSSTE STEUERGELD NACHSCHIESSEN Die Erlöse des Evonik-Börsengangs sollen im wesentlichen nicht in das Unternehmen fließen, sondern zur Abdeckung der sogenannten Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohle-Bergbaus genutzt werden. Dazu zählt das dauerhafte Abpumpen von Wasser in den ehemaligen Abbaugebieten. Bleiben die Einnahmen hinter den Erwartungen zurück, müsste der Staat Steuergeld nachschießen. Das Kuratorium ist stark politisch beeinflusst. Mitglieder sind unter anderem die Bundesminister Philipp Rösler (FDP/Wirtschaft) und Wolfgang Schäuble (CDU/Finanzen) sowie die Ministerpräsidentinnen von NRW und des Saarlandes, Hannelore Kraft (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Wenn das Kuratorium Grünes Licht gegeben hätte, hätte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) den Evonik-Prospekt laut Stiftungskreisen noch Anfang der Woche freigegeben. Am 25. Juni sollte die Aktie nach unbestätigten Berichten das erste Mal gehandelt werden. Dieser Termin wird sich nun aller Voraussicht nach verzögern.EVONIK GILT ALS DAX-KANDIDAT Evonik gilt mit einem Umsatz von 14,5 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis vor Abschreibungen und Sondereinflüssen (Ebitda) von 2,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr als lukratives Investment und Kandidat für den Dax . Anleihen des Unternehmens stießen in der Vergangenheit am Kapitalmarkt auf große Nachfrage. Von den Eigentümern gab es zu Spekulationen über Umfang und Erlös des Börsengangs keinen Kommentar. Ein Sprecher der RAG-Stiftung sagte vor dem Wochenende nur, die Situation an den Börsen werde weiter ‘sehr aufmerksam’ beobachtet. Am Wochenende war die Euro-Krise mit der Anmeldung von Hilfsbedarf in Milliardenhöhe für die spanischen Banken weitergegangen. Mögliche weitere Krisenimpulse befürchten Finanzmanager, wenn am 17. Juni die Wahl in Griechenland zu einem Austritt des Landes aus der Eurozone führen sollte./rs/DP/kja
Telefonica halbiert Beteiligung in China (10. Juni 2012, 18:54 Uhr)
MADRID (dpa-AFX) – Europas größter Telekomkonzern Telefonica will sich für rund eine Milliarde Euro von der Hälfte seiner Beteiligung am chinesischen Mobilfunkkonzern Unicom trennen. Durch den Verkauf des 4,56 Prozent-Anteils zurück an die Unicom-Mutter China United Network Communications Group wollen die Spanier rund 1,13 Milliarden Euro einnehmen, wie der Konzern am Sonntag in Madrid mitteilte. Der Deal soll bis Ende Juli über die Bühne gehen, danach wird Telefonica noch 5,01 Prozent an Unicom halten. Der spanische Telekomkonzern steht derzeit vor allem wegen eines schwachen Heimatgeschäfts unter Druck und will seine Schulden reduzieren./kja
IPO: Entscheidung über Evonik-Börsengang noch einmal aufgeschoben (10. Juni 2012, 17:45 Uhr)
ESSEN (dpa-AFX) – Die Entscheidung über den Börsengang des Essener Chemiekonzerns Evonik wird wegen der nervösen Märkte noch einmal aufgeschoben. Die Entwicklung auf den Finanzmärkten seit Ende Mai bewirke eine zunehmende Unsicherheit, ob Erlöse erreichbar sind, die dem Wert der Evonik gerecht werden. Das teilte das Kuratorium der RAG-Stiftung (74,99 Prozent Beteiligung an Evonik) am Sonntag nach einer Telefonkonferenz mit. Die übrigen Anteile liegen bei dem Finanzinvestor CVC Capital Partners. Der Börsengang war bereits in den vergangenen Monaten verschoben worden. Das Kuratorium der RAG-Stiftung habe dem Vorschlag des Vorstands zugestimmt, in dieser Woche weitere Gespräche mit Investoren zu führen, hieß es in der Mitteilung. Diese Gespräche sollten ‘in den nächsten Tagen’ Klarheit bringen, um noch im Juni eine fundierte Entscheidung über den möglichen Schritt an den Kapitalmarkt zu ermöglichen. Die Lage in der Euro-Zone bleibt weiter angespannt. Am Wochenende hatte Spanien Hilfsbedarf in Milliardenhöhe für seine Banken angekündigt./rs/DP/kja
Einkaufslaune beflügelt Geschäft von Euroshop (10. Juni 2012, 17:53 Uhr)
FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Shoppingcenter-Investor Deutsche Euroshop ist zufrieden mit dem aktuellen Geschäft und sieht sich auf gutem Weg zu seinen Jahreszielen. ‘Für dieses Jahr rechnen wir mit zehn Prozent mehr Umsatz und zehn Prozent mehr Gewinn’, sagte Vorstandssprecher Claus-Matthias Böge der ‘Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung’ (FAS). ‘Nach dem bisherigen Verlauf des Geschäftes könnten wir einen Schnaps über den Planzahlen liegen.’ Mitte Mai hatte die Deutsche Euroshop nach einem starken Jahresauftakt seine Prognosen teilweise erhöht. Nach Ansicht Böges lassen sich die Deutschen die Einkaufslaune trotz der aktuellen Eurokrise nicht verderben. Das Geschäft in den deutschen Einkaufszentren laufe nach wie vor gut, sagte er der Zeitung. ‘Wir haben den Eindruck, die hohen Lohnabschlüsse beflügeln das Einkaufen. Außerdem mag es Menschen geben, die sich sagen, lieber das Geld ausgeben, bevor es nichts mehr wert ist.’ Böge stellte eine weitere Expansion in Aussicht. ‘Wir wären grundsätzlich nicht abgeneigt, uns noch an einem weiteren Einkaufszentrum zu beteiligen’, betonte er. Allerdings lasse sich das ‘in unserem Geschäft nicht immer so genau planen’.Die Deutsche Euroshop ist derzeit an 19 Einkaufszentren in Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn beteiligt./kja

Posted in

