FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Angst vor einer neuen Wirtschaftskrise lähmt die Stahlbranche. ‘Vielen Unternehmen steckt noch der Schock von 2008 in den Knochen’, sagt Salzgitter-Sprecher Bernhard Kleinermann. Um nicht wieder unvorbereitet in einen Abschwung zu rutschen, agieren Stahlhändler und-verarbeiter extrem vorsichtig. Seit Sommer schieben sie Bestellungen auf. Daslässt die Nachfrage sinken und setzt die Preise unter Druck. Die Stahlkonzerne haben reagiert und ihre Produktion gedrosselt. Doch es gibt Hoffnung auf Besserung. Die Marktforscher vom britischen Institut MEPS rechnen Anfang 2012 wieder mit einem Anziehen der Preise. Die Experten verweisen in einer aktuellen Studie auf die derzeit extrem geringen Vorräte bei den Stahlverarbeitern. Um die bestehenden Aufträge zu bedienen, würden diese in der ersten Jahreshälfte fast zwangsläufig wieder mehr ordern müssen. Zudem dürfte sich die europaweite Drosselung des Stahlproduktion nun stabilisierend auf die Preise auswirken. Die Frage ist nur, wie nachhaltig eine solche Erholung wäre. Die MEPS-Analysten sind da angesichts der sich eintrübenden Weltkonjunktur skeptisch. In Deutschland bemüht sich die Branche hingegen weiter um Optimismus, auch wenn allein im November die Stahlproduktion um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen ist. ‘Die Stahlnachfrage in Deutschland wird 2012 voraussichtlich ein ähnlich hohes Niveau erreichen wie 2011′, sagt der Chef der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Trotz der Schwäche in den vergangenen Monaten schlug sich die Branche dank der insgesamt starken Wirtschaftsentwicklung in Deutschland 2011 gut. Die Rohstahlkapazitäten in den deutschen Hütten waren zu fast 90 Prozent ausgelastet- weltweit waren es dagegen nur rund 80 Prozent. Dabei profitierten dieStahlkonzerne hierzulande vom Boom der Auto- und Maschinenbauer. Und es gibt durchaus noch Hoffnung, dass die gute Entwicklung auch 2012 nicht abbricht – sofern die Euro-Schuldenkrise endlich gelöst wird. ‘Unsere Kunden sind weiter gut ausgelastet’, sagt Salzgitter-Sprecher Kleinermann. Es gebe bislang keine Anzeichen, dass sich das ändere. Sogar aus der Baubranche, die lange seit Jahren schwächelt, gebe es einen positiven Auftragstrend. ‘Es gibt keinen Grund zum Schwarzmalen.’ Auch ThyssenKrupp-Stahlchef Edwin Eichler will bislang lediglich einen ‘ausgedehnten Lagerzyklus’ sehen. Das heißt, dass der tatsächliche Verbrauch der Stahlverarbeiter weiter hoch ist. Sie bedienten ihn zuletzt nur eben stärker aus dem eigenen Lager, statt neue Aufträge an die Hütten zu geben. Branchenkenner rechnen daher damit, dass nach dem Jahreswechsel die Bestellungen wieder zulegen werden. Kritischer sieht der Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo) die Lage. Der Duisburger MDax-Konzern musste seine Gewinnprognose schon streichen und rechnet für 2011 unter dem Strich nur noch mit einer ‘schwarzen Null’. ‘Wir bewegen uns wie erwartet in einem zunehmend schwierigen konjunkturellen Fahrwasser’, sagte Vorstandschef Gisbert Rühl im November. Er stellte besonders heraus, die übliche Erholung nach der Sommerpause sei ausgeblieben. Die große Unsicherheit ist auch eine Reaktion auf die tiefgreifenden Veränderungen in der Branche. Boom- und Schwächephasen dürften sich künftig in immer schnellerer Folge ablösen, sagen Experten. Das liegt auch daran, dass die Lieferverträge immer kürzer und flexibler werden. Ausgelöst wurde diese Entwicklung vor anderthalb Jahren von den Bergbaukonzernen, die die Preise in den Langfristverträgen nicht mehr auf ein Jahr festschreiben wollten, wie es jahrzehntelange Praxis war. In den vergangenen Monaten konnten die Stahlkocher von dieser Entwicklung sogar profitieren. Denn die Preise für Eisenerz gingen angesichts der Sorgen um die Weltwirtschaft deutlich zurück./enl/dct — Von Erik Nebel, dpa-AFX —
Archive for January 7th, 2012
AUSBLICK 2012: Stahlbranche hofft auf Erholung – Eurokrise lähmt (07. Januar 2012, 13:05 Uhr)
AUSBLICK 2012: Strom und Gas werden 2012 teurer – langsam, aber stetig (07. Januar 2012, 13:05 Uhr)
DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Es ist fast ein jährlich wiederkehrendes Ritual: Ob Versicherungsprämien, Gebühren für Müllabfuhr oder Stadtreinigung – oder eben für Strom und Gas. Mit dem Jahreswechsel wird Vieles wieder teurer in Deutschland. So werden rund 110 Stromversorger und knapp 80 Gaslieferanten bundesweit von ihren Kunden höhere Preise verlangen. Die Vergleichsportale im Internet, Verivox und Toptarif, ermittelten beim Strom im Durchschnitt Aufschläge von 3,5 Prozent, beim Gas ist es mehr als doppelt so viel. Und im Jahresverlauf dürften weitere Anbieter hinzukommen. Einige Stadtwerke schlagen mit zweistelligen Erhöhungen noch kräftiger zu, während sich die Branchenriesen RWE und Eon noch zurückhalten. Für die rund 500 000 Gaskunden von RWE bleibe der Preis mindestens bis zum Ende der Heizperiode im kommenden Jahr stabil, versprach die RWE Anfang Dezember. Ähnlich äußerte sich Eon. Bis zum Frühjahr, also März/April, soll an der Preisfront der Regionalgesellschaften des Unternehmens Ruhe herrschen. Doch der Trend ist eindeutig: ‘Die Energiekosten zeigen einen stetigen Aufwärtstrend, der in den letzten Jahren nur durch die Finanzkrise 2008 unterbrochen wurde’, resümiert der Energieexperte von Verivox, Peter Reese. Das hatte sich vor allem beim Gas bemerkbar gemacht. Gas war plötzlich in größeren Mengen verfügbar, die Preise auf den Beschaffungsmärkten gaben nach, zahlreiche Versorger senkten die Preise, bei Eon waren es in mehreren Schritten sogar 25 Prozent. Aber die Märkte drehen schnell. Der Druck in Richtung höhere Preise verschärft sich. Der weltweite Energiehunger insbesondere aus den Schwellenländern wie China oder Indien und die Verknappung der Rohstoffe lassen die Preise hochschnellen. In Deutschland sorgen die Umlage für erneuerbare Energien und die Kosten der Energiewende dafür, dass die Abgabepreise klettern. Hinzu kommen die Netzentgelte: Immer mehr energieintensive Unternehmen wollen sich von der Zahlung befreien lassen. Konsequenz: Die Zeche zahlen die übrigen Stromverbraucher. Unter der Annahme einer jährlichen Strompreiserhöhung von 6 Prozent ermittelte Verivox in einer Zeitreihe von 2012 bis 2020 einen Preisanstieg von fast 60 Prozent. Das heißt, die gesamte Stromrechnung eines Vier-Personen-Haushalts würde von 983 Euro auf 1587 Euro nach oben schnellen – über 500 Euro mehr. Vor allem dem Gasmarkt stehen turbulente Zeiten bevor, wenn man Experten Glauben schenkt. Bis 2015 sollen nach einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kerney die Gaspreise auf den europäischen Märkten um 30 bis 40 Prozent zulegen. Wegen der weltweiten Überkapazitäten käme es danach aber zu einer Entspannung an der Preisfront, orakeln die Autoren der Studie. Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, spricht von überhöhten Preisen. ‘Von der Beschaffungssituation ist das nicht zu rechtfertigen’. Verbraucherschützer und Bundesnetzagentur empfehlen den Konsumenten immer wieder einen Anbieterwechsel. Doch viele Privatkunden scheuen diesen Schritt. Der Behörde zufolge waren 2010 rund 43 Prozent der Haushalte noch im teuren Grundversorgertarif. Ein Anteil von 41 Prozent wechselte beim örtlichen Anbieter in einen anderen Tarif und nur 15 Prozent gingen zu einem anderen Versorger. Peters hat auch eine Begründung für die Zurückhaltung: ‘Die Tarife sind nicht transparent und völlig unübersichtlich’./ls/DP/stk —Von Peter Lessmann, dpa—
AUSBLICK 2012: Überzogene Erwartungen: China kann Europa nicht retten (07. Januar 2012, 13:05 Uhr)
PEKING (dpa-AFX) – Die Wirtschaftskrise und die Schuldenprobleme in Europa haben China in eine unerwartete, schwierige Position gebracht. Gefährlich in Schieflage geraten, erhofft sich die alte Welt jetzt plötzlich Rettung durch die zweitgrößte Volkswirtschaft mit ihren weltweit größten Devisenreserven. Jeder Hinweis auf einen möglichen Kauf von Schatzanleihen schuldengeplagter europäischer Länder durch China bewegt die Finanzmärkte, schürt neue Hoffnungen auf Hilfe von den ‘reichen Chinesen’. Aus der ‘gelben Gefahr’ wurde unversehens der ‘weiße Ritter’, der die Europäer aus ihrem Schlamassel holen soll. Daran war auch Regierungschef Wen Jiabao nicht ganz unschuldig. Im September sprach der Premier von der ‘helfenden Hand’ für die Europäer, stellte im selben Atemzug auch politische Forderungen: Vor allem eine Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft, was Schutz vor Handelsklagen bietet. Von einem solchen Kuhhandel ist die kommunistische Führung heute längst abgerückt – nicht nur weil die Krise in Europa immer dramatischer wurde, sondern vielleicht auch, weil die europäischen Erwartungen immer überzogener wurden. Als die Europäer die Chinesen Ende Oktober offen um eine Beteiligung an dem Rettungsschirm für den Euro baten, übten sich die Hüter der Pekinger Staatskasse vorsichtig in einem Balanceakt. Die Europäer könnten sich nur selber retten, indem sie ihr Haus in Ordnung bringen, hieß es. ‘Das Argument, dass China Europa retten sollte, ist nicht haltbar, weil Devisenreserven nicht auf diese Weise verwaltet werden’, schien auch Vizeaußenministerin Fu Ying jüngst den Europäern etwas volkswirtschaftliche Nachhilfe geben zu wollen. So einfach gehe es eben nicht. ‘Devisenreserven sind nicht heimische Einnahmen oder Geld, das dem Ministerpräsidenten oder dem Finanzminister zur Verfügung steht’, sagte die für Europa zuständige Vizeministerin. Sie könnten weder im eigenen Land zur Bekämpfung der Armut, noch im Ausland zur Unterstützung anderer Länder ausgegeben werden. Bei ihren Anlagen in Anleihen der Europäer, Amerikaner oder des Weltwährungsfonds (IWF) lasse sich China immer vom Grundsatz der ‘Sicherheit, Zahlungsfähigkeit und angemessenen Rentabilität’ leiten. Allerdings stehe China auch ‘nicht abseits der internationalen Bemühungen zur Rettung Europas’, sondern sei ‘positiver Teilnehmer’, hob Fu Ying hervor. China wolle seine Importe aus Europa fördern und denke an mehr Investitionen. So soll Chinas Hilfe eher ‘indirekt’ sein. In der Krise ist das Milliardenreich mit seinem hohen Wachstum ein wichtiger Motor für die schwächelnde Weltkonjunktur. Zwar wächst China wegen der düsteren Aussichten weltweit auch nur noch langsamer, aber immer noch mit neun Prozent und bietet Chancen als Absatzmarkt. Das Handelsdefizit soll 2011 das dritte Jahr in Folge fallen – von 183 Milliarden 2010 auf jetzt nur noch 150 Milliarden US-Dollar. China hat auch ein starkes Eigeninteresse an einem stabilen und wirtschaftlich gesunden Europa. Europa ist für China der größte Exportmarkt. Beide Seiten handeln jeden Tag für mehr als eine Milliarde Euro. Die Europäer konnten ihre Ausfuhren nach China im vergangenen Jahr um 37 Prozent auf 113 Milliarden Euro ausweiten. Zwar sind Chinas Investitionen in Europa mit 1,7 Prozent der Auslandsinvestitionen noch gering, sollen künftig aber ansteigen. Nach offiziell unbestätigten Medienberichten erwägt China die Schaffung von zwei Investmentfonds jeweils für Europa und die USA, die 300 Milliarden US-Dollar verwalten sollen. Die Fonds sollen Yuan-Anleihen auf dem chinesischen Markt herausgeben, um damit Devisen von der Zentralbank oder chinesischen Geschäftsbanken für Investitionen in Europa und den USA zu kaufen. Ob der bestehende Staatsfonds China Investment Corporation (CIC), der rund 400 Milliarden US-Dollar verwaltet, dafür umstrukturiert wird, ist unklar. Wenn die Europäer also auf Hilfe aus China hoffen können, dann eher auf Umwegen über solche Investitionsvorhaben – eben ‘indirekt’, wie es von Seiten des Staatsfonds heißt./lw/DP/jkr — Von Andreas Landwehr, dpa —
AUSBLICK 2012: Fünftes Jahr Bankenkrise – Geschäftsmodelle wackeln (07. Januar 2012, 13:05 Uhr)
FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Krise der Banken geht ins fünfte Jahr. Die Situation bleibt angespannt, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt so viel Geld wie nie in die europäischen Geldhäuser pumpte. Gleich im Januar wird es wieder ernst: Dann müssen die Sorgenkinder des jüngsten Stresstests erklären, wie sie ihre teils riesigen Kapitallücken schließen wollen. Ist das geschafft, stellt sich eine viel tiefergehende Frage: Wie wollen Banken angesichts der strengeren Kapitalvorschriften künftig Geld verdienen? Einen Brandherd hat die EZB zumindest vorerst wohl gelöscht. Mit der unglaublichen Summe von fast einer halben Billion Euro, die sie den Geschäftsbanken unter den Weihnachtsbaum legte, dürften deren Refinanzierungssorgen erstmal vom Tisch sein. Insgesamt müssen die europäischen Institute nach Expertenschätzungen im kommenden Jahr rund 725 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Angesichts des großen Misstrauens der Banken untereinander wäre dies ohne die EZB ein schwieriges Unterfangen. Mit der frischen Liquidität ist aber das nächste Problem der Geldhäuser nicht gelöst. Ihre Kapitalstruktur hat sich dadurch nämlich überhaupt nicht verändert. Um auf die von der europäischen Bankaufsicht EBA geforderte harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen, brauchen Europas Banken rund 115 Milliarden Euro – allein sechs deutschen Großbanken fehlen insgesamt 13,1 Milliarden Euro. Notfalls muss der Steuerzahler wieder einspringen. Die Bundesregierung hat den Bankenrettungsfonds Soffin bereits wieder reaktiviert. Als Kandidat gilt vor allem die ohnehin noch zu gut einem Viertel im Staatsbesitz befindliche Commerzbank , die eine Lücke von 5,3 Milliarden Euro füllen muss. Neuerliche Staatshilfe will Konzernchef Martin Blessing aber unbedingt vermeiden. Er hat sein persönliches Schicksal bei der Bank damit verknüpft, dass er den Kapitalbedarf aus eigener Kraft stemmt. Unter Europas Großbanken hat bisher nur die italienische Unicredit eine Kapitalerhöhung angekündigt, um ihr Eigenkapital zu stärken. Die am Mittwoch veröffentlichten Details der 7,5 Milliarden Euro schweren Maßnahme zeigt wie schwer es für die Banken derzeit ist, am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. Das Papier brach seitdem deutlich ein und zog auch die anderen Bank-Aktien nach unten. Allein durch die Nichtverlängerung von Krediten dürften es viele Banken nach Expertenansicht nicht wie gefordert bis Ende Juni 2012 schaffen, ihre Bilanzen im erforderlichen Maße zu verkleinern. Und so wird erwartet, dass etliche Institute große Kreditpakete auf den Markt werfen könnten. Die Folge: Die Preise würden fallen und Banken müssten neuerliche Verluste hinnehmen. Nutznießer könnten neben Versicherungen vor allem Hedgefonds sein. Damit würden viele Kredite in ein kaum reguliertes Schattenreich abwandern. Dadurch hätte die Allgemeinheit nichts gewonnen, die Banken aber hätten viel verloren, warnen Bankvertreter. Inzwischen wird dem Vernehmen nach auch darüber gesprochen, den Banken etwas Zeitdruck bei der Stärkung ihrer Bilanz zu nehmen. Die Dauerkrise geht bei vielen Häusern längst ans Eingemachte. Vor allem das schwankungsanfälligen Investmentbanking – jahrelang Garant von Mega-Gewinnen – wird vielerorts zusammengestrichen, zehntausende von Bonuszahlungen verwöhnte Mitarbeiter müssen gehen. Der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann prophezeit der Branche ein ‘unruhiges Jahrzehnt’. Wer immer noch glaube, die Branche könne zu ihrem Geschäftsgebaren von vor der Finanzkrise zurückkehren, ‘sollte sich schleunigst eines Besseren besinnen’. Die Zeiten einfacher Gewinne sind seiner Ansicht nach vorbei. Das zwingt die Institute zu einer Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle. Vor allem die lange vernachlässigten Privatkunden gelten dabei als begehrte Klientel. Das wäre dann keine schlechte Folge der Dauerkrise./enl/ben/zb — Von Erik Nebel, dpa-AFX —
AUSBLICK 2012: Schweres Wetter für Europas Luftverkehrsindustrie (07. Januar 2012, 13:05 Uhr)
FRANKFURT/MAIN (dpa-AFX) – An Europas Himmel haben sich mächtige Wolken aufgetürmt. Auch ohne eine weitere Eskalation der Schuldenkrise dürfen die Fluggesellschaften des alten Kontinents im Jahr 2012 kaum auf Gewinne hoffen. Die Weltluftfahrtorganisation IATA geht in ihren jüngsten Schätzungen sogar von einem Verlust von 600 Millionen US-Dollar (448 Mio Euro) für die Branche in Europa aus, trotz deutlich steigender Passagierzahlen weltweit. Tiefrote Zahlen drohen vor allem den früheren Staatsfluglinien, während die aggressiven Billiganbieter Easyjet und Ryanair zuletzt noch vergleichsweise gut dastanden. Die Gründe für den wirtschaftlichen Niedergang sind vielfältig und aus Sicht der Airlines teilweise hausgemacht: Neben den konstant hohen Treibstoffpreisen und der unsicheren Konjunktur in Folge der Euro-Schuldenkrise sind es gesetzliche Vorgaben aus Berlin, London oder Brüssel, die an den knappen Margen der Gesellschaften knabbern. In Deutschland und Großbritannien werden zusätzliche Ticketsteuern erhoben, doch die größte Ungewissheit geht von der Europäischen Union aus, die ihr System des Emissionshandels im neuen Jahr auf die Luftfahrt ausdehnen will. Für jeden Flug nach und von Europa müssen die Airlines dann je nach Umweltbelastung Co2-Zertifikate kaufen, um langfristig den Ausstoß des klimaschädlichen Gases zu reduzieren. Der europäische Branchenprimus Deutsche Lufthansa AG rechnet mit jährlichen Kosten von bis zu 350 Millionen Euro. Zwar hat der Europäische Gerichtshof (EUGH) entschieden, dass auch die außereuropäischen Gesellschaften am Zertifikatehandel zum Wohle der Umwelt teilnehmen müssen, doch die politische Reaktion der Weltmächte USA und China steht noch aus. Beide haben bereits mit ernsthaften Gegenmaßnahmen gedroht, sollten die Europäer tatsächlich versuchen, ihr System dem Rest der Welt zu verordnen. Die Lufthansa hat längst auf Krisen-Modus umgeschaltet. Verschiebbare Investitionen sind auf Eis gelegt, ein neues Sparprogramm in Planung. Konzernchef Christoph Franz trennte sich von der langjährigen Verlustbringerin British Midland (bmi), die er wegen der wertvollen Slots am engen Flughafen London-Heathrow gerade noch an die International Airlines Group (IAG) um Dauerkonkurrent British Airways loswerden konnte. Analysten lobten den Schnitt, den Lufthansa auch bei seinem ebenfalls verlustreichen Fracht-Joint-Venture Jade in China sucht. Um das Kurzstreckengeschäft profitabler zu machen, holt Franz zudem die günstiger operierende Billigtochter Germanwings näher an die Lufthansa Passage. Künftig fliegen die Gesellschaften nach einem gemeinsamen Flugplan, an vielen deutschen Flughäfen wird künftig nur noch eine der beiden Marken präsent sein und die Kunden zu den Drehkreuzen München oder Frankfurt bringen. Mit dem Einstieg der arabischen Etihad beim schlingernden Lufthansa-Konkurrenten Air Berlin hat zudem die strategische Auseinandersetzung mit den Carriern vom Arabischen Golf eine neue Qualität angenommen. Zwar wird Etihad aus Abu Dhabi als etwas weniger aggressiv eingeschätzt als die ‘Emirates’ aus dem benachbarten Dubai, doch das Geschäftsmodell ähnelt sich. Die ehrgeizigen Airlines der Scheichs brauchen Europa als Ziel- und Quellmarkt für ihre neuen Mega-Drehkreuze in der Wüste und ziehen Passagiere aus Europa ab. Und auch den Konflikt mit den starken Gewerkschaften im Haus scheut Lufthansa-Chef Franz nicht: Für das deutlich ausgeweitete Flugprogramm vom neuen Hauptstadtflughafen in Berlin will er billigere Servicekräfte einsetzen. Die einst verfeindeten Gewerkschaften Verdi und UFO sind bereits enger zusammengerückt und wollen gemeinsam um neue Tarifverträge mit der Lufthansa pokern. Im Frachtgeschäft erwartet die IATA ohnehin eine Stagnation – das bisher erwartete Plus von gut vier Prozent ist außer Sicht. 2011 ging die Entwicklung hier bereits um ein halbes Prozent nach unten. Da scheint der nach wie vor schwelende Streit um das Nachtflugverbot in Frankfurt, das vor allem das Geschäft der Lufthansa Cargo trifft, fast schon als Nebenschauplatz./ceb/DP/stk —Von Christian Ebner, dpa—
AUSBLICK 2012/IPO: Experten rechnen weiter mit steinigem Umfeld für Börsengänge (07. Januar 2012, 13:05 Uhr)
FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Aktienmarkt dürfte für die Unternehmen auch 2012 als Geldquelle größtenteils flach fallen. Der Verkauf von Unternehmensanteilen über die Börse wird nach Experteneinschätzung weiter schwer bleiben. ‘Erst wenn sich eine Lösung der Staatsschuldenkrise nachhaltig abzeichnet und die Volatilität entsprechend zurückgeht, wird sich das Klima für Börsengänge wieder verbessern’, sagte Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services beim Beratungsunternehmen Ernst & Young. Schon 2011 sei den Unternehmen deshalb die Lust an einem Börsengang vergangen. Zusätzlich verwies Steinbach auf die Atomkatastrophe in Japan sowie die politischen Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten als weitere Unsicherheitsfaktoren, die die Bereitschaft gebremst hätten. ‘IPO-Kandidaten befürchten, bei einem Börsengang nicht die gewünschten Summen erlösen zu können’, so der Experte weiter. Die aktuellen Kursschwankungen an den Weltbörsen seien Gift für das Klima und machten die Unternehmensbewertung und die Umsetzungsprozesse in der heißen Phase eines Börsengangs zu einem Problem. Mit Ausnahme des sehr kleinen Börsengangs des chinesischen Schuhherstellers Ultrasonic im Dezember hatte es daher in Frankfurt die letzten bedeutenden Börsengänge im Sommer gegeben. Der Modekette Adler war es zur Jahresmitte gerade so gelungen, die Aktien am unteren Rand der Spanne zu platzieren. Zuvor war im Frühjahr mit GSW Immobilien auch der größte deutsche Börsengang des Jahres holprig über die Bühne gegangen, und der Industrieausrüster Norma hatte im März etwas weniger eingenommen als erhofft. Abgesehen von GSW werden alle größeren Emissionen des Jahres derzeit zwischen 30 und 60 Prozent unter dem Ausgabepreis gehandelt. Eine weitere positive Ausnahme ist die Emission von Derby Cycle : Dank einer Übernahme haben sich die Papiere des Fahrradherstellers bis zuletzt mehr als verdoppelt. ‘Viele Unternehmen warten aber nur auf bessere Zeiten’, erklärte Steinbach. Bei einer nachhaltigen Entspannung an den Finanzmärkten rechnet der Experte von Ernst & Young damit, dass es zur Umsetzung von Börsengängen vieler Unternehmen kommen wird, die derzeit in der Warteschleife sind. Etwas Hoffnung macht auch Holger Bross, Leiter Corporate und Investment Banking bei der Bank of America Merrill Lynch, der ebenfalls Nachholbedarf und damit für 2012 die Chance auf eine potenziell größere Aktivität sieht. Bross nannte im Zuge dessen Evonik als Beispiel für einen bedeutenden Börsengang. Nach 2008 hatte der Essener Spezialchemie-Konzern diesen im September ein weiteres Mal aufgeschoben. Als weiterer großer Kandidat gilt der Versicherer Talanx, der seit geraumer Zeit mit dem Sprung auf das Parkett liebäugelt. Ferner will der Unterwäschehersteller Schiesser zu Beginn des kommenden Jahres an die Börse gehen. Aber auch verschobene Ausgliederungen von Sparten dürften nach Meinung von Holger Bross im kommenden Jahr eine Rolle spielen. Als Beispiele nannte er diesbezüglich die Autoteile-Sparte von Rheinmetall und die Lichttechnik-Tochter Osram von Siemens . Beide Konzerne hatten die Abspaltungen jüngst verschoben und dies mit der aktuell schwierigen Lage an den Finanzmärkten begründet. Ferner gehört bei dem Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp ein Börsengang zu den Optionen für die Edelstahlsparte. Global gesehen war die Erstnotiz des Schweizer Rohstoffhändlers Glencore mit zehn Milliarden US-Dollar der größte Börsengang des vergangenen Jahres. 2012 dürfte dies von Facebook übertroffen werden: Nach jüngsten Berichten peilt das soziale Netzwerk einen Termin im Frühjahr an. Herumgereicht wird ein Börsenwert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Allerdings macht sich damit auch Angst vor einer neuen Internet-Blase breit, nachdem das berufliche Online-Netzwerk LinkedIn im Mai 2011 einen furiosen Start hingelegt hatte. Das ganz große Wachstumspotenzial sehen Experten auf absehbare Zeit aber in fernöstlichen Ländern: Nach Angaben von Ernst & Young ist nach wie vor China der weltweit aktivste IPO-Markt./tih/zb/tw — Von Timo Hausdorf, dpa-AFX —
AUSBLICK 2012: Ohne Steve – Apple übt das Leben nach der Ära Jobs (07. Januar 2012, 13:05 Uhr)
NEW YORK (dpa-AFX) – Apple wurde 2011 so stark wie noch nie – und erlitt zugleich seinen größten Verlust. Der Tod von Steve Jobs nahm dem iPhone-Hersteller nicht nur seinen langjährigen Chef und Gründer, sondern auch einen Technik-Visionär und kompromisslosen Perfektionisten. Die Apple-Maschine läuft auf Hochtouren, die Nachfolger von Jobs am Konzern-Ruder müssen jetzt aber zeigen, dass sie die Erfolgsgeschichte fortschreiben können. Kann man einen Steve Jobs überhaupt ersetzen? Ein Mann schaffe es definitiv nicht, zeigt sich sein Biograf Walter Isaacson überzeugt. ‘Aber zwei können es’, meinte er in der ‘New York Times’ jünst mit Blick auf die heutige Apple-Spitze. Der neue Konzernchef Tim Cook stehe für die ‘Business-Seite von Steves Gehirn’. Designchef Jony Ive hingegen verkörpere die künstlerische, emotionale, romantische Hälfte von Jobs. Bleibt die Frage, wie harmonisch die beiden wichtigsten Vertrauten des Apple-Chefs ohne ihn zusammenarbeiten können. Jedenfalls bekommen sie ein Erbe, das sich sehen lassen kann. Das iPhone macht Apple zum mit Abstand profitabelsten Smartphone-Anbieter. Bei Tablet-Computern dominiert das iPad auch knapp zwei Jahre nach dem Marktstart klar. Das MacBook Air gibt die Mode für Notebooks vor und die Verkäufe von Apple-Computern steigen, während der Rest der PC-Branche mit schwacher Nachfrage kämpft. Die Firma, die Jobs 1997 kurz vor der drohenden Pleite in die Hand nahm, sitzt inzwischen auf einem sagenhaften Geldberg von rund 80 Milliarden Dollar und liefert sich mit dem Mineralöl-Multi ExxonMobil einen Wettstreit um den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt. Die Analysten der Finanzmärkte sind sich uneins, wie es mit dem Kurs der Apple-Aktie weitergehen wird. Mitte Oktober lag das Papier auf seinem Allzeit-Hoch von 426 Dollar und musste inzwischen aber auf 382 Dollar nachgeben. Leonid Kanopka von Seeking Alpha erwartet ‘ein Platzen der Apple-Blase’. Die Aktie werde bald unter die 100-Dollar-Marke fallen. Andy Zaky von Bullish Cross hingegen schätzt Apple als die ‘am meisten unterbewertete Aktie’ eines Börsen-Schwergewichts in den USA ein. Welche Prognose zutreffen wird, hängt vor allem von den kommenden Produkt-Vorstellungen ab. Wenn die Gerüchte stimmen, packt Apple demnächst auch hier die nächste Herausforderung an, das Fernsehgeschäft. Diesen Markt wollte Steve Jobs unbedingt noch umkrempeln, hat es aber vor seinem Tod nicht mehr geschafft. Angeblich könnte es schon zum kommenden Sommer soweit sein, verkündete kürzlich ein Branchenanalyst nach Gesprächen mit japanischen Zulieferern. Den Einstieg in den TV-Markt mit dem erwarteten Triumph zu krönen, ist eine Herausforderung, die eines Steve Jobs würdig gewesen wäre. Die Preise für Fernsehgeräte fallen, etablierte Hersteller schreiben reihum Verluste, gerade in den traditionellen Apple-Hochburgen USA und Westeuropa ist der Markt weitgehend gesättigt. Und in diese verzwickte Gemengelage würde Apple ganz sicher nicht mit einem Billiggerät vorpreschen. Der erwartete Vorstoß in die Fernsehwelt ist nicht der einzige Brocken, den Jobs seinen Nachfolgern hinterlassen hat. Zu seinem Erbe gehört auch ein erbitterter Patentkrieg gegen das Betriebssystem Android von Google , das Jobs als ‘geklaute Software’ gnadenlos bekämpfen wollte. Im vergangenen Jahr trat Apple den Konflikt los. Auf Klagen gegen Android-Hersteller wie Samsung oder HTC folgten Gegenklagen in aller Welt. Jetzt schlagen die ersten Urteile ein, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Es ist eine teure, kaum noch überschaubare juristische Rauferei. Der Hauptgewinn, der Apple am Ende lockt: Geräten wie iPhone und iPad einzigartige Merkmale zu geben, an die sich kein Konkurrent wagt. Der Weg dorthin scheint noch sehr weit. 2012 steht eine entscheidende Schlacht bevor: Der Prozess mit Samsung in Kalifornien. Die Südkoreaner – nebenbei auch noch wichtigster Apple-Zulieferer – haben sich mit ihrer Galaxy-Reihe zum schärfsten Rivalen der iPhones und iPads entwickelt. Angesichts der frostigen Stimmung setzt Apple laut Medienberichten inzwischen auf den japanischen Sharp-Konzern als neuen Display-Lieferanten. Und weil Apple ungern in kleinen Dimensionen denkt, soll man sich gleich eine komplette Produktionslinie gesichert haben. Die Weichen für die nächste Zeit sind bei Apple schon längst gestellt, darin sind sich die Branchenbeobachter einig. Spannend wird es in ein paar Jahren, wenn auf Ideen aus der Jobs-Ära neue Kreationen folgen müssen. Dabei lautete der zentrale Rat des Gründer für die Zeit danach laut Cook: ‘Wir sollen uns nie die Frage stellen, was würde Steve tun?’/so/DP/zb — Von Andrej Sokolow, dpa —
AUSBLICK 2012: Holprige Energiewende mit vielen Fragezeichen (07. Januar 2012, 13:05 Uhr)
BERLIN (dpa-AFX) – Einige befürchten schon den Ausstieg aus dem Ausstieg. Doch dass die Atomkraftwerke eine längere Zukunft als bis zum Jahr 2022 haben, ist weiterhin unwahrscheinlich. Aber Reibereien zwischen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), der stockende Netzausbau, Bürgerproteste und Probleme bei einer gerechten Kostenverteilung machen die Energiewende zur Herkulesaufgabe. Wie ist der Stand beim Ökoenergie-Ausbau? Eigentlich gut, der Öko-Stromanteil beträgt schon 20 Prozent. Aber die Branche klagt über Planungsunsicherheit. So sinkt die Solarförderung für Anlagen auf dem Hausdach zum 1. Januar um weitere 15 Prozent auf 24,43 Cent je Kilowattstunde. Doch bevor diese Kürzung in Kraft tritt, fordern die Fraktionschefs von Union und FDP sowie Rösler bereits eine Begrenzung des Zubaus auf 1000 Megawatt pro Jahr – 2011 ging rund die fünffache Menge an Solaranlagen neu ans Netz. Im sonnenreichen Spanien wurde durch eine Deckelung der Solarausbau abgewürgt, weil niemand wusste, ob es noch Fördergeld gibt. Geht der Ausbau nicht ohnehin zu schnell? Darüber wird gestritten, denn es fehlen tausende Kilometer an Stromnetzen, um Ökostrom zu den Verbrauchern zu bekommen. Auch die Netzanbindung der Windparks auf See stockt. Damit das Stromnetz nicht kollabiert, müssen immer öfter Windräder abgeschaltet werden, bis zu 150 Millionen Kilowattstunden gingen dadurch allein 2010 verloren. ‘Wir brauchen für das nächste Jahr ein Drehbuch’, fordert Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Ist der Wegfall der Atommeiler schon ausgeglichen worden? Theoretisch ja. Bis 2015 wird eine installierte Leistung von 86 000 Megawatt (MW) aus erneuerbaren Energiequellen erwartet – das entspricht 61 Atomkraftwerken. Diese liefern Strom, Wind und Sonne aber nicht kontinuierlich. Derzeit sind 65 000 MW an Wasserkraft, Geothermie, Biomasse, Wind und Photovoltaik installiert. Ohne Stromspeicher ist ein zu rasanter Ausbau problematisch, weil Ökostrom in seiner Produktion stark schwankt und nicht zur Verfügung steht, wenn er gerade gebraucht wird. Und: Man kommt beim wichtigen Thema Energiesparen nicht recht voran. So scheitert ein milliardenschwerer Steuerrabatt für energetische Gebäudesanierungen bisher am Streit zwischen Bund und Ländern. Ist die ganze Ökoförderung nicht zu teuer? Seit 2000 sind mehr als 65 Milliarden Euro an Fördergeldern in die Energiewende geflossen. Der Scheitelpunkt bei der Kohle-, Gas- und Ölförderung ist überschritten, die Kosten für fossile Rohstoffe, die zudem das Klima schädigen, könnten weiter steigen. Allein 2010 haben erneuerbare Energien 118 Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen eingespart, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie. Die Kosten für Ökoenergie sind jetzt hoch, dafür werden aber mehrere Milliarden Euro jährlich für fossile Rohstoffimporte gespart. Und mehr Ökostrom senkt laut Umweltminister Röttgen die Preise an der Strombörse um 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Und: Schon mehr als 370 000 Menschen arbeiten in der Zukunftsbranche. Was kommt auf die Verbraucher 2012 zu? Die Ökoenergie-Umlage bleibt trotz Entlastungen von rund zwei Milliarden Euro mit 3,592 Cent je Kilowattstunde für Verbraucher etwa auf dem Niveau von 2011 – ohne Industrierabatte wäre sie sogar gesunken. Kommendes Jahr müssen rund 14 Milliarden Euro über den Strompreis nur für die Förderung grüner Energie bezahlt werden. Das Umweltbundesamt betont, dass die Ökoförderung ohne die Ausnahmen kaum Auswirkungen auf den Strompreis habe: 85 Prozent der Steigerungen zwischen 2000 und 2010 gingen auf andere Faktoren zurück. Was beeinflusst den Strompreis noch? Unternehmen mit einem Verbrauch von 10 Millionen Kilowattstunden im Jahr, die zudem 7000 Stunden pro Jahr am Netz hängen, müssen 2012 gar keine Netznutzungsgelder mehr zahlen. Um alle Ausnahmen bei den Netzkosten aufzufangen, müssen die Verbraucher ab 2012 daher eine Sonderumlage über den Strompreis von 0,15 Cent je Kilowattstunde zahlen. Für einen Haushalt macht das 3,50 bis 4 Euro pro Jahr aus. Da Anbieter solche Steigerungsfaktoren oft zu satten Aufschlägen nutzen, gilt: Genau hinschauen und notfalls den Stromanbieter wechseln. Der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, kritisiert eine einseitige Belastung der Bürger: Bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden pro Jahr belasteten alle Ausnahmen zusammen einen Haushalt mit bis zu 80 Euro zusätzlich bei den Stromkosten./ir/DP/stk —Von Georg Ismar, dpa—

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