ROUNDUP ThyssenKrupp verkauft Edelstahlsparte an Outokumpu (31. Januar 2012, 21:51 Uhr)

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(neu: Zustimmung der Aufsichtsgremien beider Unternehmen, Zeitplan) ESSEN (dpa-AFX) – ThyssenKrupp verabschiedet sich nach etwa 100 Jahren vom Edelstahlgeschäft. Nach massiven Protesten stimmte am Dienstagabend der Aufsichtsrat des Stahl- und Industriekonzerns für den Verkauf von Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu zu. Auch der Verwaltungsrat der Finnen segnete das Vorhaben ab. In der Nacht zuvor hatten nach harten Verhandlungen die Arbeitnehmervertreter bereits ihren Widerstand gegen das Geschäft aufgegeben. Im Gegenzug wurde ein Paket zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten vereinbart. Demnach soll es bis Ende 2015 keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Außerdem gilt für alle Produktionsstandorte eine Bestandsgarantie bis mindestens Ende 2015. ‘Mit diesem Vertrag sind wichtige Voraussetzungen für eine Zustimmung der Arbeitnehmer geschaffen worden’, sagte ein Sprecher der IG Metall. Inoxum hat 11.700 Beschäftigte, davon rund 6.000 in Deutschland. ThyssenKrupp will mit dem Verkauf seinen Konzernumbau vorantreiben. OUTOKUMPU ZAHLT HOHEN PREIS Das finnische Unternehmen bezifferte den vereinbarten Preis für die Übernahme der ThyssenKrupp-Tochter auf rund 2,7 Milliarden Euro. Die Summe setze sich zusammen aus einer Barzahlung von einer Milliarde Euro, einem aus einer geplanten Kapitalerhöhung entstehenden Aktienpaket an Outokumpu von 29,9 Prozent im Wert von ebenfalls rund einer Milliarde Euro sowie der Übernahme von Schulden und Pensionsverbindlichkeiten. Anleger von ThyssenKrupp begrüßten die Einigung. Die ThyssenKrupp-Aktie legte am Dienstag um 2,65 Prozent zu und war damit bester Wert im Dax . Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel lobte besonders den erzielten Preis. Das sei mehr als von ihm erwartet. Dagegen brach die Outokumpu-Aktie in Helsinki um knapp 15 Prozent ein. 850 STELLEN SOLLEN WEGFALLEN Outokumpu kündigte am Dienstag an, nach dem Kauf bis zu 850 Stellen in Deutschland streichen zu wollen. Bis zu 600 Betroffenen an den Standorten Krefeld und Bochum sollen Angaben des Unternehmens zufolge neue Arbeitsplätze im ThyssenKrupp-Konzern angeboten werden. Während die Schließung der sogenannten Flüssigphase in Krefeld mit knapp 400 Beschäftigten bis Ende kommenden Jahres bereits fest vereinbart ist, gibt es für das Stahlwerk in Bochum mit rund 450 Beschäftigten noch eine Bestandsgarantie bis Ende 2016. ‘Wir sehen solide Voraussetzungen für einen Erhalt des Standorts Bochum über den vereinbarten Zeitpunkt hinaus’, sagte ein Gewerkschaftssprecher.BITTERE PILLE FÜR GEWERKSCHAFT In Krefeld sollen auch nach der Ende 2013 vorgesehenen Schließung der Flüssigphase weiterhin rund 1.700 Mitarbeiter beschäftigt bleiben. Die Weiterverarbeitung in einem Kaltwalzwerk soll erhalten werden und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum soll ausgebaut werden, wie die IG Metall mitteilte. Die Verhandlungsführer der IG Metall, Markus Grolms und Marc Schlette, werteten die Einigung als Erfolg. Der Verhandlungsprozess sei ‘extrem schwierig’ und ‘angespannt’ gewesen. ‘Wir haben kein Ergebnis erzielt, das zum Jubeln Anlass gibt’, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler. Der Vorsitzende des Inoxum-Gesamtbetriebsrats, Bernd Kalwa, bezeichnete die geplante Stahlwerksschließung in Krefeld als ‘herbe Enttäuschung’.DICKSTER BROCKEN BEI KONZERN-UMBAU Die Trennung von der Edelstahlsparte ist der dickste Brocken beim angekündigten Konzernumbau von ThyssenKrupp. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will dadurch im hochverschuldeten Unternehmen Spielräume für den Ausbau der Technologiesparte mit dem Anlagen- und Aufzugbau schaffen. Inoxum hatte im zurückliegenden Geschäftsjahr 2010/2011 (30.9.) einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Outokumpu will durch die Übernahme der ThyssenKrupp-Sparte in dem von Überkapazitäten geprägtem Edelstahlgeschäft jährlich bis zu 250 Millionen Euro einsparen. Dieses Ziel solle spätestens bis zum Jahr 2017 umgesetzt werden, teilte das Unternehmen mit. Neben den Stellenstreichungen sollen dazu auch Kostenvorteile beim gemeinsamen Einkauf von Rohstoffen und Energie sowie beim Vertrieb beitragen.WETTBEWERBSBEHÖRDEN SIND NÄCHSTE HÜRDE Das Geschäft will ThyssenKrupp bis Ende dieses Jahres abschließen. Die nächste große Hürde ist neben der Zustimmung der Outokumpu-Aktionäre zur geplanten Kapitalerhöhung die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. Der Edelstahlmarkt in Europa gilt trotz der von den Unternehmen beklagten Überkapazitäten als klein. Mit der Übernahme von Inoxum durch Outokumpu entstünde ein neuer Weltmarktführer mit mehr als 19.000 Mitarbeitern und mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz./enl/uta/he — Von Erik Nebel, dpa-AFX und Uta Knapp, dpa —

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